Weltwoche, 4.8.94

Computer für Blinde und Sehbehinderte: Willkommenes Fenster zur sehenden Aussenwelt

Akustische und taktile Hilfe

Optische Vergrösserungsmittel

Spezielle Vergrösserungsprogramme auf dem PC erlauben es Sehbehinderten, den Bildschirminhalt ausschnittsweise ums 2bis 16fache zu vergrössern. Allerdings muss bei solchen Verfahren ein Sehrest vorhanden sein.

Mit Hilfe dieser Vergrösserungsmittel können Sehbehinderte auch auf graphischen Benutzeroberflächen wie Windows oder auf dem Mac arbeiten. Mit der Vergrösserung eines kleinen Bildschirmausschnitts ist es jedoch schwierig, den Überblick über den ganzen Bildschirm zu behalten. Und gerade Überblick ist heute, da immer mehr Benutzeroberflächen mit Bildschirmfenstern arbeiten, immer wichtiger . Sehbehinderte haben da klar das Nacheben. Blinden ohne Sehrest ist dieser Zugang zu graphischen Oberflächen und das Arbeiten mit der Maus kaum möglich.

Akustische Hilfsmittel

Akustische wie taktile Hilfsmittel verarbeiten per Scanner eingelesene oder per Modern empfangene Informationen. Die meisten Briefe und Drucksachen sind heute graphisch gestaltet, mit Bildern und Graphiken versehen, was das Einscannen von Dokumenten stark erschwert. Ein Einscannen von Alltagspost ist kaum ohne sehende Hilfe möglich, die bei der Auswahl von scannbaren Texten hilft.

Sprachsynthese

Die Sprachsynthese funktioniert über einen Sprachsynthesizer, der Informationen (Text) von der computerlesbaren Form (Text in ASCII-Code) in akustische Sprache umwandelt. Der Text wird zunächst nach vordefinierten Abkürzungen abgesucht. So wird z. B. Fr. als «Franken» ausgesprochen. Dann wird der Text in Silben zerlegt und die Silben in Phoneme (Sprachelemente) aufgeteilt. Um den so zerlegten Text überhaupt verstehen zu können, muss abschliessend eine Art Satzmelodie in den Text gebracht und das Ganze in ein akustisches Signal umgewandelt werden.

Taktile Hilfsmittel: Braille-Zeile

In der Brailleschrift werden Buchstaben und Punkte durch die Kombination von Punkten dargestellt. Die elektronische Braille-Zeile ist ein Ausgabegerät, das normale Buchstaben oder Zeichen am Bildschirm in Braille-Zeichen übersetzt und für Blinde und Sehbehinderte erfühlbar macht. So kann der Blinde oder Sehbehinderte Zeile für Zeile des Bildschirminhalts auf der Braille-Zeile ertasten. Die Braille-Zeile arbeitet nach dem piezoelektrischen Prinzip. Sie nützt den Piezoeffekt, aufgrund dessen sich bestimmte Kristalle unter elektrischer Spannung mechanisch verformen. Diese Verformung wird ausgenutzt, um die Punkte des Braille-Displays zu bewegen. Die Kombination von sich bewegenden und nicht bewegenden Punkten ergibt dann Buchstaben bzw. Zeichen, die der Blinde ertasten kann.

Braille-Zeilen nach Piezotechnik sind an die meisten herkömmlichen PC und auch an Notebook-Computer anschliessbar. Dieses sehr wertvolle taktile Hilfsmittel hat aber seinen Preis: Es kostet mindestens 15000 Franken.

 

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Wenn der Bildschirm zu reden beginnt, von Luzia Kopp, erschienen in der Weltwoche Nr. 31 vom 4.08.1994

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